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Lange Zeit hörte die Politik nicht richtig zu und nahm nicht ernst, was externe (Bildungs-) Experten veröffentlichten. Jetzt ist es belegt: Das Ergebnis des jüngsten Schulbarometers der Robert-Bosch-Stiftung zeigt: Lehrkräftemangel ist das größte Problem in Schulen. Anders als behauptet wird, kann es aber durchaus kurzfristige Lösungen geben. Der Einsatz von Freiberuflern & externen Projektanbietern sowie des 4plus1- oder +/- 20%-Modells von Susanne Braun-Speck (Media4Schools-Entwicklerin) können zur Lösung des Lehrkräftemangels beitragen.

Vom Deutschen Schulbarometern wurden im November 2022 Schulleiter:innen in einer repräsentativen Umfrage gefragt, was die größten Probleme in Schulen sind. Das Ergebnis laut Pressemitteilung vom 18. Januar 2023: Personalmangel ist mit Abstand die größte Herausforderung der Schulleitungen – 67% der Schulleiter:innen gaben das an (80% an sozial benachteiligten Standorten); gefolgt von Themen wie Digitalisierung, Bürokratie und eigener Arbeitsbelastung.

Die GEW (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft) spricht jetzt, 18.1.23, von Alarmstufe-Rot in puncto Lehrkräftemangel, siehe Beitrag auf deren Website.

Nachtrag vom 27.1.23: Eine repräsentative Eltern-Umfrage von forsa im Auftrag des Nachhilfeinstituts Studienkreis ergab: 62% der Mütter und Väter beobachten einen Lehrkräftemangel an der Schule ihres Kindes; an weiterführenden Schulen fast 75%. Von 1.018 im Januar 2023 von forsa befragten Eltern, stimmten 86% der Aussage zu, dass unter dem Lehrkräftemangel die Unterrichtsqualität erheblich leidet und deshalb Lernziele nicht erreicht werden. Die soziale Schere infolge der Personalengpässe an Schulen wird sich weiter öffnen. 73% beobachten außerdem, dass Ganztagesbetreuung und Förderangebote häufig ausfallen oder komplett gestrichen werden.

Andere Experten:innen hatten das längst kommen sehen! 

Ganz ehrlich? Dazu brauchte ich (Susanne Braun-Speck, aus Reinfeld (Holstein)), als ehemalige IT-Personalvermittlerin, keine Statistik. Mich beschäftigt das Thema seit 2018 (siehe Kommentar im STERN damals). Als aktive Elternvertreterin sah ich in der Schule meiner Tochter, woran es fehlte: an Grundlagenwissen im Bereich IT und Medien.

Als Personalerin meinte ich grundlegend:

Schulentwicklung muss als Teil von Standortpolitik gedacht werden, als Motor für die Wirtschaft – insbesondere in Zeiten der Digitalisierung, denn KI geht beispielsweise nicht ohne digital gebildeten Nachwuchs.

Selbstredend unterbreitete ich meine Lösungsideen damals schon dem Bildungsministerium von SH sowie dem Bund. Doch externe Experten in Schulen wurden und werden bisher als nicht kompetent genug für Schule herabgewertet. Das in einem Land, in dem Philosophen (Robert Habeck) Vizekanzler werden können? Als heutige Referentin für digitale Bildung weiß ich, wie zielführend und gewinnbringend es sein kann, wenn Externe wie ich mit Lehrkräften zusammen als multiprofessionelle Teams zusammenarbeiten oder auch alleine Projekttage mit Schüler:innen durchführen.

Der Einsatz von Freiberuflern & externen Projektanbietern sowie das 4plus1- oder +/- 20%-Modell sind meine Ideen zur Lösung des Lehrkräftemangel-Problems.

  • Während es durchaus vorstellbar ist und einige Schulleiter von positiven Erfahrungen berichteten, dass Lehramts-Studenten (aktuell über: Aufholen nach Corona) beispielsweise in Fächern wie Deutsch, Mathe oder Englisch so gesehen Nachhilfeunterricht geben oder als zweite Lehrkraft im Klassenzimmer unterstützen, halte ich es andererseits für notwendig, …
  • im MINT- und BNE-Umfeld auf externe Experten zurückzugreifen. Auf Freiberufler sowie Projektanbieter, so wie die Wirtschaft es auch macht! Auf Consultants for Schools, freiberufliche EdTechs, Medien- und IT-Experten sowie externe BNE-Projektanbieter, welche in Schulen arbeiten. 
    • Denn: Freiberufliche Experten sind als Einzige am Arbeitsmarkt verfügbar; ebenso wie externe Projektanbieter. Das im Bereich von der Digitalen Bildung, Schul-IT-Support, für Schulentwicklung, an Projekttagen und natürlich auch im Unterricht.  Zahlen und Fakten siehe im Buchbeitrag dazu.
    • Sie sollen lehren? Auch im Unterricht? Ja, als Quer- oder Seiteneinsteiger:innen. Einige können das ganz sicher direkt, ohne Fortbildung. Etwa solche Fachkräfte, welche auch Ausbilder sind oder schon jahrelang als Dozenten in der Wirtschaft gearbeitet haben. Und solche wie ich, die sowieso schon externe Referenten für Lehrkräfte und Schüler:innen sind. Wer keinerlei pädagogische Fähigkeiten besitzt, kann vielleicht ein Schnell-Aufbaustudium / Fortbildungen in Sachen Didaktik und Pädagogik absolvieren? Wichtig wäre, dass auch Experten ohne Studium, also mit Berufsausbildung und -erfahrung, diesen Einstieg gehen dürfen.
  • Umsetzung im Schulalltag durch ein 4plus1- oder auch +/- 20%-Konzept:
    • Beim 4plus1 Konzept wird einer von 5 Wochentagen zum regelmässigen Projekttag, an dem externe Experten (Freiberufler, Projektpartner) die Schüler:innen in Zukunftskompetenzen unterrichten. Beispiele dazu befinden sich in unserem Community-Buch “Nachhaltige Bildung. Nachhaltige Schule”siehe Vereins-Website.
    • Beim +/- 20%-Konzept ist das beinahe genauso, aber inkl. Abspecken der Lehrpläne um 20% (5 Schultage/Woche sind 100%, 1 Tag davon wird freigemacht für Neues (20%). Ich denke, wir wissen alle, dass es viel Lernstoff gibt, den die Schüler:innen in ihrem späteren Leben nicht brauchen. Dieser soll Platz machen für neue 20% und zwar für zuvor bereits genannte Zukunftskompetenzen.
  • In jedem Fall wären, meiner Meinung nach, Büro- / Verwaltungs- sowie Organisations-Mitarbeiter: innen in Schulen gut. Diese können eine Reihe von administrativen Aufgaben übernehmen und das eine oder andere “managen”, was sonst die Lehrkräfte oder Schulleitungen tun müssten. Das schafft ihnen Freiraum für ihre eigentlichen Aufgaben. 

Statements zu anderen, derzeit in der Öffentlichkeit genannten Möglichkeiten (Nachtrag vom 28.1.23):

  • Mehr Anreize setzen, um Menschen zum Lehramtsstudium zu bewegen: gute Idee, aber das dauert zu lange! Eventuelle Boni, wie Frau Stark-Watzinger und auch die CDU-SH vor Kurzem vorschlug, nehmen den Lehrkräften auch NICHT den Stress, wirkt also kaum.
  • Ausländische Lehrkräfte: Durch die ukrainischen Lehrkräfte bei uns wissen wir, dass es schwerer ist, als es klingt, Menschen mit einer anderen Muttersprache und anderen pädagogischen Ansätzen in Deutschland lehren zu lassen.
  • Nicht gut: Die Idee der SWK / KMK größere Klassen zu bilden. Noch mehr Stress, noch weniger den Schüler:innen gerecht werden? Niemals!
  • Nicht gut: Die Idee der SWK / KMK, Lehrkräften, die in Teilzeit arbeiten, aufzwingen zu wollen, mehr oder sogar Fulltime zu arbeiten, halte ich – als ehemalige Personalerin – für eine ganz schlechte Idee. Denn: der Lehrerberuf ist einer der wenigen, wenn nicht sogar der einzige, welcher wirklich Familienfreundlich ist. Er ermöglicht Eltern, über ihren Arbeits- und Familienbetreuungsumfang selbst zu bestimmen und sich selbst um ihre Kinder zu kümmern; das insbesondere auch in den Schulferien. Es würde eher abschreckend und damit völlig kontraproduktiv auf zukünftige mögliche Lehrkräfte wirken, wenn sie nicht mehr in Teilzeit arbeiten könnten.

Erörterung dessen? Wie bereits geschrieben: gerne stehe ich als Gesprächspartnerin zur Verfügung > Kontakt.


Bereits 2018 versuchten einige andere Eltern und ich (alle Experten aus der IT- und Medien-Branche) in Schule zu unterstützen.

Lokal wurden wir mal angehört, aber auch nicht mehr. Dafür gab es aber später offene Ohren beim IQSH in Kiel für ihre Ideen, insbesondere für meine Workshops zum Thema Online-Schülerzeitungen (mit erkant.de als Projekt zum Nachmachen), welche nachhaltige, digitale Bildung in vielen Facetten ermöglicht. Seitdem konnte ich Lehrkräfte-Fortbildungen durchführen; war in SH auch die Erste, welche 2020 Workshops zum Thema “Videokonferenzen führen” gab. Meine Angebote dazu laufen freiberuflich sowie über mein Vereinsprojekt “Media4Teens & -Schools“. 

2018 entwickelte ich zudem ein Berufsprofil, welches “Digitalisierungs-Manager für Schulen” heißt – ich bin ja ehemalige Personalvermittlerin

Immer und immer wieder suchte ich den Kontakt zum Bildungsministerium in SH und beim Bund bezüglich IT- und Medien-Experten für Schulen. Zwar wurde mir durchaus geantwortet, aber es folgten keine Taten oder wurde auf die Verantwortung der Länder hingewiesen. Spätestens 2020, zu Beginn der Corona-Pandemie, wäre es im Sinne der Schüler:innen und Lehrkräfte (sowie der Eltern) notwendig gewesen, endlich Externe, freiberufliche Experten und Projektanbieter insbesondere, aber nicht nur aus der IT- und Medien-Branche in Schulen zu holen. Aber das wurde abgeblockt und/oder hausintern versucht zu lösen.

Damit der Lehrkräftemangel und vieles mehr trotzdem in den Blick der Öffentlichkeit geriet, schrieb ich zusammen mit weiteren 18 Autor:innen ein Community-Buch. Es heißt: “Nachhaltige Bildung. Nachhaltige Schule” und erschien im August 2022. 

Darin hatte ich mich intensiv mit dem Lehrermangel sowie mit Schulentwicklung in puncto digitaler Bildung auseinandergesetzt. Der Beitrag zum Thema heißt darin: “Fach- & Honorarkräfte für eine nachhaltige Schulentwicklung”. Einleitend steht geschrieben: “Digitalisierung? Lehrkräfte-Mangel? Schüler:innen aus der Ukraine? Wie können der Schulalltag, die digitale Transformation und nachhaltige Schulentwicklung realisiert, wie kann hochwertige, chancengerechte Bildung entsprechend Nachhaltigkeitsziel 4 in Schulen gewährleistet werden? Die Antwort liegt in SDG 17: (Bildungs-) Partnerschaften zur Erreichung der Ziele.” 

Weiter heißt es: “Ohne externe Partner steht das Bildungssystem vor einem beinahe unlösbaren Personalproblem, wie im Laufe dieses Beitrages ersichtlich wird!” Wer alles lesen möchte, kann auf die Website meines Vereins gehen. Dort wurde der Beitrag im November komplett veröffentlicht (Jahre vorher schon in Teilen). Link: https://sii-kids.de/fach-honorarkraefte-fuer-eine-nachhaltige-schulentwicklung/