Vielzählig von Lehrkräften in Online-Kursen gehört: Das funktioniert nicht: das Programm, das WLAN, das Videokonferenz-Tool. Merkwürdig wird es, wenn einige der Teilnehmer von Zuhause aus am Online-Kurs teilnehmen – und bei ihnen alles funktioniert. Wie kann das sein trotz Glasfaser und neuer Endgeräte?

Diese Woche hatte ich einen extremen Fall, bei einem meiner Online-Kurse. Mehrere Lehrkräfte nahmen gemeinsam von der Schule aus teil; nur die Schulleiterin schaltete sich von Zuhause aus zu. Letztere konnte an dem Online-Kurs völlig störungsfrei, bei bester Verbindung teilnehmen, während die Lehrkräfte in der Schule es zunächst schwer hatten, mit ihren Laptops online zu gehen und anschließend, ihre Mikrofone anzuschalten, und vor allem: alles auf ihren Bildschirmen zu sehen.


Fernunterricht mit Hindernissen …

In dem Kurs musste ich, als Referent und Kursleiter, häufig meinen Bildschirm teilen und den Teilnehmern Etwas erklären, was auf meinem PC zu sehen war. Bei einer stabilen Internetverbindung klappt das wunderbar. Seit Beginn der Coronakrise hatte ich selbst bisher nur ein einziges Mal Probleme damit.

Heute wurde mir eingangs erzählt, diese Schule hätte sich vorher schon mit Jitsi versucht (über Dataport) und es hätte nicht funktioniert. Aber heute gab es dieselben Probleme mit BigBlueButton.

Allerdings hörte und höre ich immer und immer wieder aus Schulen, dass sie mit Online-Konferenz-Tools und Lern-Management-Systemen wie iServ, Moodle, Itslearning, BigBlueButto, Jitsi, etc. massive Verbindungsprobleme haben – klar, im April und Mai waren die vermutlich alle zeitweise überlastet. Aber aktuell kann das nicht sein. Wenn, dann sind ja gegebenenfalls „nur“ Kohorten im Homeschooling und nicht alle Schüler (m/w/d).

Am Tool und dem Server (z.B. bei einem Internet-Provider / Hoster), wo das jeweilige Online-Konferenztools installiert ist, wird es nicht liegen. Ich äußerte diese Annahme in meinem hier beschrieben Online-Kurs, aber die Schulleiterin dementierte: Glasfaser ist verlegt. Soweit gut, aber:

Warum gab es keine stabile Internetverbindung in der Schule? Aber von Zuhause aus lief es?

Da es elementar wichtig war, dass die Teilnehmer sehen, was ich auf meinem Bildschirm aus der Ferne teilte, bat ich die Lehrkräfte sich testweise mit Smartphone einzuwählen – über Mobilfunk.

Und siehe da: Über Mobilfunk klappte es!

In Sekundenschnelle konnten sie alles sehen und aktiv teilnehmen. Tatsächlich funktionierte die Verbindung zur BigBlueButton Online-Konferenz über die Handys völlig störungsfrei und gut. Natürlich nur solange, bis das Datenvolumen aufgebraucht war … Parallel konnte die Schulleiterin von Zuhause aus auch die ganze Zeit problemlos teilnehmen.

Ich, als alter Hase der IT- und Medienbranche, merkte an, dass das Internet-Verbindungs-Problem in der Schule zum Beispiel folgende Ursache haben kann:

  1. einen überlasteten – internen – Router
  2. alte Kupferkabel, die von der Glaserfaserleitung von der Straße, in die Schule führen
  3. oder der Datenübertragungs-Leistung des Internetanschlusses (Telekom, o.a. Anbieter)
  4. ggf an den Leistungen der Endgeräte (ein Lehrer konnte nach einer gewissen Wartezeit und Verbindungsdauer endlich meinen geteilten Bildschirm sehen).
  5. zu wenig Glasfaser-Anschlüsse?
  6. der Landesserver

Die Schulleiterin versicherte, dass der Vertrag der Telekom ausreichend Übertragungsrate enthält. Und die Endgeräte waren alle neu und hatten wohl alle 8 GB Arbeitsspeicher – sollte reichen.

Also ist das ein Netzwerk-/ Router-Problem? Wie funktioniert das?

Das LAN und WLAN in der Schule läuft über den Router des Telefon-/Internet-Anbieters.

  • Das entweder mit Kabel vom PC zum Router (LAN-Verbindung),
  • oder kabellos über WLAN vom PC zum Router

Vom Router aus ist es für alle Teilnehmer gleich: die Internetverbindung läuft über (Netzwerk-) Kabel im Schulgebäude und -gelände über Telefonleitungen (ggf. aus Kupfer) bis zur Straße, wo in der Regel das Glasfasernetz beginnt. Anders ist das bei Handys / Smarthones: die können statt WLAN auch Mobilfunk nutzen (Datenvolumen muss verfügbar sein).

Ab der Straße laufen alle Daten über eine Glasfaserleitung zu einem Landesserver.

In Schleswig-Holstein soll es laut einem Netzwerktechniker sowie weiteren Informanten so sein, dass die Landesrechner (also Notebooks und Tablets, die an Schulen ausgeliefert worden sind) immer eine Verbindung zum Landesserver eingehen und dort über eine einzige Glasfaser-Verbindung mit einem einzigen Server verbunden werden. Diese Leitung ist quasi dauerhaft überlastet!

Dazwischen geschaltet ist (laut Dritter), aus Datensicherheitsgründen, ein VPN-Tunnel, der zusätzlich dafür sorgt, dass manche Teilnehmer einige Online-Dienste, APP´s etc garnicht erst aufrufen können.

Netzlast bei Online-Konferenztools:

Außerdem soll das Online-Konferenztool #Jitsi, welches vom Bildungsministerium SH kostenfrei über Dataport bereitgestellt wird, je Teilnehmer einen bis zwei Kanäle eröffnen. Zwei sind es je TN, wenn auch die Webcam aktiviert wird. Bei 40 TN wären das in der Summe 80 (Daten-) Kanäle! Vergleichsweise werden die Kanäle bei #BigBlueButton auf der Serverseite zu einem (1) Kanal gebündelt, weswegen die Server entsprechend weniger belastet werden. Bedeutet: Allein wegen vielfach höheren Netzlast sollte Bigbluebutton dem Jitsi-Tool vorgezogen werden.

Zu wenig Glasfaser-Leitungen je Schule?

Schlussendlich schrieb vor Kurzem jemand auf Facebook in der Gruppe Medienpädagogik, dass EINE einzige Glasfaserleitung je Schule natürlich auch schnell überlastet ist. Derjenige wirkte durchaus so, als wäre er vom Fach! Kurze Lösung laut ihm: Es muss mehrere Glasfaserleitungen je Schule geben.

Auch oben genannter Netzwerktechniker erzählte, dass eine “seiner” Schulen das Problem mehr oder wenig zufällig dadurch gelöst hätte, dass der Schulträger, neben dem Landesserver / Landes-Glasfaser-Anschluss, einen zweiten Glasfaseranschluss über einen anderen Telefonanbieter hatte legen lassen. Dort funktioniert die Internetverbindung deutlich besser und damit auch das Homeschooling – zumindest technisch betrachtet.

 

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